THEMEN ENDZEITVORHERSAGEN DER ZJ

 
   



     
    „Apocalypse now“?

Die missglückten Endzeitmodelle der Zeugen Jehovas

Und wenn du in deinem Herzen sagst: „Wie sollen wir das Wort erkennen, das nicht der HERR geredet hat?“, wenn der Prophet im Namen des HERRN redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, das nicht der HERR geredet hat. In Vermessenheit hat der Prophet geredet; du brauchst dich nicht vor ihm zu fürchten.
(5. Mos. 18, 21+22, Elberfelder Bibel)


Die Zeugen Jehovas gelten als die klassische apokalyptische Endzeitsekte schlechthin. Von Anfang an, also seit etwa 120 Jahren, erhoben sie den exklusiven Anspruch, in Gottes Terminkalender Einblick nehmen zu können. Das Herausdeuten von Terminen für Gottes großen Gerichtstag „Harmagedon“ aus biblischen Zahlen oder aus Ereignissen, die zu biblischen Zeiten stattgefunden haben, ist ihre Spezialität.
Zwar sind sie durch die Fehlschläge in ihren Prognosen etwas vorsichtiger geworden und berufen sich heute sogar auf die Worte Jesu in der Apostelgeschichte und im Matthäus-Evangelium:

Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat.
(Ap. 1, 6-7, Elberfelder Bibel)

Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein.
(Matth. 24, 36, Elberfelder Bibel)


Dennoch können sie es nicht lassen: Im Zusammenhang mit dem für die Zeugen Jehovas wichtigen Jahr 1914 und mit den 120 Jahren, von denen Gott zu Noah gesprochen hatte, ist ein neuer Endzeittermin, 2034, sozusagen aus den Wogen der Sintflut aufgetaucht und scheint langsam Gestalt anzunehmen. Doch davon zum Schluss dieser Ausführungen.

Fangen wir an bei dem Amerikaner Charles T. Russell (1852-1916), dem Gründer und ersten Präsidenten der Wachtturmgesellschaft mit Sitz in New York, aus dessen Anhängerschaft, den „Bibelforschern“, die späteren Zeugen Jehovas hervorgingen. Dieser Charles Russell hatte von den amerikanischen „Second Adventists“ das erste Endzeitdatum übernommen: Sie hatten für 1873 und gleich danach für 1874 die sichtbare Wiederkunft Christi erwartet und öffentlich verkündigt.

Nachdem beide Jahre vorübergegangen waren, argumentierte Russell so, dass es sich bei der verheißenen Wiederkunft zunächst um ein unsichtbares Geschehen handle. Das griechische Wort parousia, Wiederkunft, könne auch „anwesend sein“ im Sinne von „gegenwärtig sein“ bedeuten. In seinen „Schriftstudien“, einem mehrbändigen Werk, versuchte er dies zu belegen, und er wurde in seiner Ansicht bestärkt durch den Adventisten Nelson H. Barbour, dem Leiter eines Bibelstudienkreises. Beide schlossen sich zusammen und rechneten auf der Grundlage von 1874 weiter:
1878 sollte die „Erweckung“ der entschlafenen Heiligen und die „Entrückung“ der lebenden Heiligen erfolgen, 40 Jahre nach 1874, also 1914, sollten die „Heiden-Königreiche“ zerschmettert werden.
Die beiden trennten sich dann wieder infolge von Lehrdifferenzen, doch hielt Russell an der „unsichtbaren Gegenwart Christi“ seit 1874 fest. Er formulierte das so: „Die Tatsache des zweiten Kommens unseres Herrn ist endgültig durch die Schrift festgelegt... Die Schrift zeigt, dass seine zweite Gegenwart im Jahre 1874 fällig war.“

Diese Überzeugung spiegelt sich auch in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift wider: „Zion’s Watch Tower and Herald of Christ’s Presence“. Daraus wurde später der „Wachtturm“.

1912 schreibt Russell in seinen „Schriftstudien“:

„In diesem Kapitel liefern wir den biblischen Nachweis, dass das völlige Ende der Zeiten der Heiden (Nationen), d.i. das volle Ende ihrer Herrschaft, mit dem Jahre 1914 erreicht sein wird.“
(Russell, Schriftstudien, 1912)


„Mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein.“
(Russell, Schriftstudien, 1912)


Und noch viele Jahre später, 1986, las man im WT mit Blick auf 1914:

„Jesus sagte: ‚Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind.’ (Luk. 21,24).
Wie lange sollten die dauern? Offensichtlich wesentlich länger als sieben buchstäbliche Jahre von jeweils 360 Tagen (wie die biblischen Jahre gezählt wurden) oder insgesamt 2520 Tage.
Biblische Präzedenzfälle zeigen uns, dass wir ein Jahr für einen Tag einsetzen müssen (4. Mose 14, 34 und Hesekiel 4, 6).
Nach dieser Berechnung beliefen sich die „sieben Zeiten“ auf 2520 Jahre. Wenn sie bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 607 v.u.Z. zu zählen begannen, endeten sie im Jahre 1914.“
(WT 1. 11. 1986)

Immer wieder wurde auch in den Veröffentlichungen der WTG betont, Russell habe den Beginn des ersten Weltkrieges vorhergesagt. So formulierte schon sein Nachfolger Rutherford in seiner Zeitschrift mit dem verheißungsvollen Titel „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben“: „Pastor Russell legte während 40 Jahren aus den Prophezeiungen dar, dass der erste Weltkrieg im Jahr 1914 ausbrechen würde.“ Russell selbst dagegen gab seinen Irrtum zähneknirschend zu:

„Der Autor gibt zu, dass er in diesem Buch den Gedanken nahe legt, dass des Herrn Heilige erwarten dürfen, am Ende der Zeiten der Nationen bei ihm zu sein in Herrlichkeit. Dies war ein Fehler, den zu machen sehr natürlich war, doch der Herr überwaltete ihn zum Segen seines Volkes. Der Gedanke, dass die Kirche im Oktober 1914 in Herrlichkeit vereint sein würde, übte zweifellos einen anspornenden und heiligenden Einfluss auf Tausende aus, von denen demgemäß alle den Herrn preisen können selbst um des Fehlers willen.“
(Russell, Schriftstudien Bd..2, 1916)


Während Russell noch den Fehler auf sich selbst nahm, heißt es viel später im WT vom 15. 5. 1955: „Viele hatten den ungenauen Gedanken, dass der erste Weltkrieg... in die Schlacht des großen Tages Gottes... in Harmagedon... münden würde.“ „Viele“ – wer mag damit wohl gemeint sein? Das kann sich eigentlich nur auf die Anhänger beziehen. Die „ungenauen Gedanken“ allerdings kamen immer von der Chefetage.

Nachdem Russell 1916 gestorben war, machte sein Nachfolger aus der Not eine Tugend – das Modell dazu hatten schon 40 Jahr vorher Russell und Barbour geliefert: Das Königreich Gottes war einmal mehr nicht sichtbar auf Erden angebrochen, sondern, wie es seit den 20er Jahren hieß, „es wurde 1914 im Himmel aufgerichtet“. Wieder unsichtbar. Damit hatte sich alles, also auch die Erweckung und Entrückung der Heiligen, um 40 Jahre verschoben: Die „Stunde der Wehen“ für die von Jehova verworfene Christenheit sollte nun auf das Jahr 1918 fallen. Man hatte erst einmal Zeit gewonnen.

Das ist doch alles 90 und mehr Jahre her; warum wird das trotzdem hier so ausführlich behandelt?

Zum einen, weil die Zeugen Jehovas noch heute mit diesem Datum 1914 und ihrer damit verbundenen „guten Botschaft vom Königreich, das im Himmel aufgerichtet wurde“ von Haus zu Haus gehen. 1914 ist zum Grundpfeiler ihrer Lehre geworden, die von mehr als 6 Millionen gutgläubiger und gehorsamer Zeugen Jehovas auf der ganzen Erde verkündigt und verbreitet wird. Diese „gute Botschaft“ erweist sich allerdings als Irrlehre, wenn wir sie mit dem, was in der Bibel steht, vergleichen:

Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht!
(Galater 1, 8, Elberfelder Bibel)


Genau dieses Evangelium aber, von dem Paulus hier spricht, wurde im WT vom 15. 4. 1958 als „alt und unzeitgemäß“ bezeichnet.

Zum andern werden schon hier Modelle sichtbar, die später wiederkehren:

-Endzeitdaten werden errechnet und scheinbar biblisch begründet mit Hilfe von
biblischen Zahlen, die oft nur symbolische Bedeutung haben.
-Termine werden umgedeutet, um einen Irrtum zu verschleiern oder um eine Verschiebung zu rechtfertigen.
-Wenn Vorhersagen, die stets nur von der Führung gemacht wurden, nicht eintreffen, lenkt man in der „Schuldfrage“ ab auf die Anhänger.

Diese Zuweisung eines Irrtums an die Anhänger verstand vor allem der Nachfolger Russells gut, und damit sind wir beim zweiten Präsidenten.

Jopseph Franklin Rutherford war von 1917 bis 1942 Präsident der WTG. Aus seinem Munde tönte es:

„Es liegen Beweise vor, dass die Aufrichtung des Reiches in Palästina wahrscheinlich ins Jahr 1925 fällt, also 10 Jahre später, als wir einst annahmen. Die 70 Jubeljahre, je alle zu 50 Jahren berechnet, laufen im Oktober 1925 ab.“
(Schriftstudien Bd.7, herausgegeben von Rutherford)


Rutherford schoss sich auf 1925 ein:

„Jehova befahl dem Mose, das Sabbath-System einzurichten... Ferner sollte... jedes 50. Jahr ein Jubeljahr für sie sein... Andere Schriftstellen zeigen, dass 70 Jubeljahre gehalten werden sollten... Siebenzig Jubeljahre zu je 50 Jahren würde uns zu 3500 Jahren bringen. Da diese Zeitperiode 1575 vor dem Jahre 1 beginnt, würde sie notwendigerweise im Herbst des Jahres 1925 zu Ende gehen...“
(Rutherford, „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben“, 1920)


Und er geht noch weiter:

„Da andere Schriftstellen der Tatsache bestimmt Ausdruck geben, dass eine Auferstehung Abrahams, Isaaks und anderer Treuen des alten Bundes stattfinden wird, können wir erwarten, im Jahre 1925 Zeuge zu sein von der Rückkehr dieser treuen Männer Israels aus dem Zustande des Todes.“
(Rutherford, „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben“, 1920)


Für Abraham, Isaak und die andern „Treuen des alten Bundes“ ließ Rutherford aus Spenden der Anhänger ein schönes Haus in Kalifornien bauen, in dem er selbst die in New York zu kalten Winter verbrachte; nicht allein, auch nicht mit seiner getrennt von ihm lebenden Frau, sondern mit seiner Geliebten. Außerdem berichten Augenzeugen, dass kistenweise Whisky angeliefert wurde. So erwartete er „mit voller Gewissheit“ „das Ende der jetzigen großen Drangsal“:

„Wir erwarten mit voller Gewissheit, dass die jetzige große Drangsal im Jahre 1925, etwa im Herbst, ihren furchtbaren Höhepunkt erreicht und alsdann zum endgültigen Abschluss kommen wird...
Wir erwarten mit absoluter Zuverlässigkeit die nach der Drangsal beginnende Auferstehung der gesamten Menschheit... innerhalb eines Zeitraums von 1000 Jahren...“
(„Das Goldene Zeitalter“, 15. 3. 1924)


Als die Zeit eng wurde, kamen vorsichtigere Töne:

„Das Jahr 1925 ist gekommen. Mit großer Erwartung haben Christen diesem Jahre entgegengesehen. Viele haben zuversichtlich erwartet, dass alle Glieder des Leibes Christi während des Jahres zu himmlischer Herrlichkeit verwandelt werden. Dies mag vielleicht erfüllt werden. Es mag vielleicht nicht so sein...“
(WT, 1925)


Hinterher suchte Rutherford die Schuld nicht etwa bei sich selbst, sondern in der Heiligen Schrift und bei Jehovas Getreuen:

„Jehovas Getreue... wurden in ihren Erwartungen für die Jahre 1914, 1918 und 1925 in etwa enttäuscht... Später lernten die Treuen, dass, obwohl jene Daten in der Heiligen Schrift in bestimmter Weise festgelegt sind, sie dennoch keine Daten mehr für die Zukunft... festsetzen sollten...“
(Rutherford, „Rechtfertigung“ Bd.1, 1931


Jetzt war erst einmal wieder Ruhe.

Viel später folgte die nachträgliche Umdeutung des Termins im WT:

„Das Jahr 1925 war ein Jahr besonderer Erwartungen, da viele der Gesalbten dachten, die verbleibenden Glieder des Leibes Christi müssten dann den Wechsel zu himmlischer Herrlichkeit erfahren. Doch es erwies sich, dass es für sie noch viel Arbeit auf Erden zu tun gab...
Dessen ungeachtet wurde das Jahr 1925 ein markantes Jahr, indem dem Volke Jehovas eine Flut neuer geistiger Wahrheiten zufloss...“
(WT 1. 8. 1955)


Und letzten Endes war wieder Jehovas Volk schuld an allem:

„Gottes Volk musste... seine Ansichten über 1925 ändern. Man dachte, dass mit diesem Jahr 70 Jubeljahrperioden zu je 50 Jahren... enden würden, und damit verband man Erwartungen...“
(Jahrbuch der Zeugen Jehovas, 1975)


Rutherfords Präsidentschaft war durch einen autokratischen Führungsstil gekennzeichnet. Im Namen der „Theokratie“ hat er Schritt um Schritt alle demokratischen Ansätze innerhalb der Bibelforscherbewegung eliminiert. Dementsprechend wurde seinen Vorhersagen auch sehr große Glaubwürdigkeit zugemessen. Er gab seine Schriften wie sein Vorgänger unter seinem eigenen Namen heraus, ist also für seine falschen Vorhersagen voll verantwortlich. Er machte aus den „Bibelforschern“ die „Zeugen Jehovas“, löschte alle Gemeinsamkeiten mit den Großkirchen, schaffte Feste wie Geburtstag oder Weihnachten als „heidnisch“ oder „satanisch“ ab, führte den Predigtdienst mit Berichtszettel ein, und es gelang ihm erstaunlicherweise, die Organisation zu festigen und zu vergrößern. Sie hat im Wesentlichen noch heute die Strukturen, die er ihr gegeben hat.

Das schöne Haus in Kalifornien wurde übrigens nach Rutherfords Tod verkauft mit der Begründung, es habe „seinen biblischen Zweck erfüllt“. Der Erlös floss nicht etwa zurück an die Spender, sondern ging an die WTG.

Nachdem Rutherford sich die Finger verbrannt und keine neuen Endzeitdaten mehr genannt hatte, tummelten sich etwa ab 1966 sein Nachfolger Nathan Homer Knorr (Präsident von 1942-1977) und besonders dessen engster Mitarbeiter Frederick Franz, der nach ihm Präsident wurde, in neuen Spekulationen.
Nebenbei bemerkt: Die Leitung der Zeugen Jehovas wurde nun infolge steigender Anhängerzahlen auf mehrere Personen verteilt. Aus diesem Gremium entwickelte sich die „leitende Körperschaft“, die heute aus etwa 12 Männern besteht. Die Veröffentlichungen der Leitung sind alle anonym.

Der Ton, der nun angeschlagen wurde, war im Vergleich zu früher enthusiastischer und fanatischer:

„Wir können daher erwarten, dass sich in naher Zukunft Dinge abspielen werden, die alle, die an Gott und seine Verheißungen glauben, begeistern werden. Es bedeutet, dass wir im Laufe verhältnismäßig weniger Jahre Zeugen von der Erfüllung der restlichen Prophezeiungen sein werden, die mit der ‚Zeit des Endes’ zu tun haben... Welche Umwälzungen stehen doch nahe bevor! Wir stehen vor einem Höhepunkt der Menschheitsgeschichte!“
(EW 22. 4. 1967)


Und diese „nahe Zukunft“ sollte „höchstens noch ein paar Jahre“ dauern:

„In der unmittelbaren Zukunft werden sich die Ereignisse überstürzen, denn dieses alte System geht seinem vollständigen Ende entgegen. Es dauert höchstens noch ein paar Jahre, bis sich der letzte Teil der biblischen Prophezeiungen über diese ‚letzten Tage’ erfüllen wird und die Menschen, die dann noch am Leben sind, durch die herrliche Tausendjahrherrschaft Christi befreit werden.“
(WT 1. 8. 1968)


Und noch genauer, in Monaten ausgedrückt:

„Bedenkt, liebe Brüder, dass nur noch ungefähr 90 Monate verbleiben, bis 6000 Jahre der Existenz des Menschen auf Erden voll sind... Die Mehrheit der heute lebenden Menschen wird wahrscheinlich noch am Leben sein, wenn Harmagedon ausbricht...“
(„Königreichsdienst“ April 1968)

Eine großartige Hoffnung für die Zeugen Jehovas, doch für den gesamten Rest der Menschheit standen die Chancen nicht so gut:

„Im Höchstfall dauert es nur noch wenige Jahre, bis Gott das verderbte System der Dinge, das jetzt die Erde beherrscht, vernichten wird.“
(EW 8. 4. 1969)


Langsam, aber sicher schoss man sich auf das Jahr 1975 ein. Dabei ging man davon aus, dass Adam und Eva im Jahr 4026 v.Chr. erschaffen wurden, dass mit diesem Datum Gottes „Ruhetag“ begann und dass 6000 Jahre Menschheitsgeschichte dann im Jahre 1975 beendet sein würden:

...“dass 6000 Jahre menschlicher Geschichte im Jahre 1975 enden werden. Was bedeutet das? Bedeutet es, dass Gottes Ruhetag 4026 v.u.Z. begann? Es könnte so gewesen sein...“

Dazwischen auch wieder vorsichtigere Töne:

...“was ist nun mit dem Jahr 1975? Bedeutet es, dass Harmagedon dann vorüber... ist? Es könnte das bedeuten! Es könnte das bedeuten! Alle Dinge sind bei Gott möglich. Bedeutet es, das Babylon die Große bis 1975 beseitigt ist? Es könnte das bedeuten... doch wir sagen das nicht...“
(WT 1. 1. 1967; Zitate einer Rede von Frederick Franz auf einem großen Zeugen-Jehovas-Kongress in Baltimore)


Der WT vom 15. 11. 1968 brachte unter der Überschrift „Was erwartest du von 1975?“ ein geradezu brillantes Beispiel der halsbrecherischen Rechenkunststücke der WTG: Ausgehend von der Erschaffung Adams im Herbst des Jahres 4026 v.u.Z., in der Überzeugung, dass nach 6000 weiteren Jahren Jehovas siebenter Schöpfungs- „Tag“ zu Ende gehen würde und mit festem Blick auf das Jahr 1975 steht da:

„Um das Jahr der Erschaffung Adams zu ermitteln, müssen wir... lediglich die Jahre der 10 ... Generationen, die vor der Flut lebten, zusammenzählen... So kommen wir zu dem Jahr 4026 v.u.Z., in dem Adam erschaffen wurde... Da in den meisten älteren Kalendern das Jahr im Herbst begann, ist es vernünftig, anzunehmen, dass Adam im Herbst erschaffen wurde... Das bedeutet, dass im Herbst des Jahres 1975... 6000 Jahre seit der Erschaffung Adams... vergangen sein werden.
Gestützt auf unsere Chronologie (die zwar ziemlich genau, zugegebenermaßen aber nicht unfehlbar ist), wissen wir bestenfalls, dass im Herbst des Jahres 1975 der Mensch 6000 Jahre auf der Erde ist... Der Unterschied mag höchstens einige Wochen oder Monate, keinesfalls aber Jahre ausmachen.“
(WT 15. 11. 1968)


Und wo bleibt Eva?, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Das war tatsächlich ein kleines Problem für die Chronologie der WTG. Aber es war lösbar:

„Zwischen der Erschaffung Adams und dem Beginn des siebten Tages, des Ruhetages, braucht nicht unbedingt eine lange Zeit vergangen zu sein. Diese Zwischenzeit kann ziemlich kurz gewesen sein... Adam brauchte nicht viel Zeit, um die Tiere zu benennen und um festzustellen, dass für ihn keine Ergänzung da war. Wie lange die Zeitspanne zwischen der Erschaffung Adams und dem Ende des 6. Schöpfungstages war, wissen wir nicht, aber sie war verhältnismäßig kurz.“
(WT 15. 11. 1968)


Und an anderer Stelle:

„Es ist anzunehmen, dass er Eva ebenfalls im Jahre 4026, kurz nach Adam, vielleicht nur Wochen oder Monate später, erschuf.“
(WT 1. 8. 1968)


Derselbe WT vom 15. 11. 1968 bringt es schließlich auf den Punkt:

„Eines steht fest: Die biblische Chronologie, die durch die Erfüllung biblischer Prophezeiungen bestätigt wird, zeigt, dass 6000 Jahre Menschheitsgeschichte bald, ja noch in dieser Generation, enden werden! (Matth. 24, 34). Es ist daher jetzt nicht an der Zeit, gleichgültig zu sein und in den Tag hineinzuleben. Es ist nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen, Jesus habe ja gesagt: ‚Von jenem Tage aber und jener Stunde hat niemand Kenntnis... nur der Vater’ (Matth. 24, 36).“
(WT 15. 11. 1968)


Wie wirkte sich das alles auf die damaligen Zeugen Jehovas aus?

-Tausende verkauften Haus und Hof, viele vermachten der WTG ihr ganzes Geld und gingen nur noch predigen von Haus zu Haus.
In der amerikanischen Ausgabe des „Königreichdienstes“ vom Mai 1974 wird diese Tatsache lobend hervorgehoben:
„Man hört Berichte von Brüdern, die ihr Haus und Eigentum verkaufen und den Rest ihrer Tage in diesem alten System im Pionierdienst beenden wollen. Sicherlich ist dies eine schöne Art, die kurze verbleibende Zeit vor dem Ende der bösen Welt zu verbringen.“

-Vom Heiraten und Kinder bekommen wurde strikt abgeraten; es war geradezu verpönt. Wer es dennoch wagte, wurde scharf kritisiert. Es gibt viele ältere Ehepaare, die deshalb auf Kinder verzichtet haben und die heute zutiefst verbittert sind.

-Höhere Schulbildung und langwierige Berufsausbildung galten als völlig unwichtig. Handwerkliche Berufe, bei Mädchen etwa der Beruf der Schneiderin, wurden empfohlen, da solche Tätigkeiten im „neuen System“ gebraucht würden. Nicht wenige Personen, auch einige in unserer Selbsthilfegruppe, haben damals trotz Begabung und Neigung auf ein Studium verzichtet; heute trauern sie der verlorenen Chance nach.

In ständiger Angst erlebten die Zeugen Jehovas jeden Tag des Jahres 1975. Manche berichten, es habe sogar die reinste Hysterie geherrscht. Als ein Beispiel von vielen hier einige Passagen aus dem Lebensbericht einer betroffenen Frau:

„Meine Lehre als Bürokauffrau brach ich ab und wurde stattdessen Pionierin und predigte um die 100 Stunden im Monat, denn das Jahr 1975 und damit Harmagedon standen unmittelbar bevor. Ich wollte dann auch schnell ein Kind vor Harmagedon, weil ich ein Kind bekommen haben wollte. Da ich befürchtete, nach Harmagedon wäre das nicht mehr möglich und ich mir sehr ein Kind wünschte, legte ich es trotz der Ablehnung meines Mannes und aller Anfeindungen darauf an, schwanger zu werden. Ich hatte ja nur noch ein Jahr Zeit. Es klappte dann auch, ich wurde schwanger und war glücklich. Ich freute mich sehr auf das Kind. Jeder Tag meiner Schwangerschaft wurde jedoch in der Versammlung zum Spießrutenlaufen. Wenn es mir nicht gut ging hieß es, ich sei ja selbst schuld. Vor Harmagedon sollte man predigen gehen und sich nicht noch ein Kind anschaffen... Ich war eine der wenigen Zeuginnen, die in diesem Jahr Kinder bekamen, denn uns wurde ständig von der Leitung eingetrichtert, dass man vor Harmagedon nicht mehr schwanger werden sollte.“

Als das Jahr 1975 verstrichen war, geriet die leitende Körperschaft in Erklärungsnot. Eines ihrer Mitglieder, Raymond Franz, der später wegen seiner massiven Kritik an der Gesellschaft ausgeschlossen wurde und mit seinem „Gewissenskonflikt“ ein entlarvendes Buch über die WTG veröffentlicht hat, berichtet:
„Im Jahr 1976, ein Jahr, nachdem das weithin ausposaunte Datum verstrichen war, fingen einzelne Mitglieder der leitenden Körperschaft an, darauf zu drängen, man solle durch irgendeine Verlautbarung eingestehen, dass die Organisation sich geirrt und falsche Erwartungen geweckt habe. Andere meinten, das sollten wir nicht tun, da es ‚nur den Gegnern Munition liefern’ würde. Milton Henschel hielt es für das Ratsamste, die Sache einfach totzuschweigen; nach einiger Zeit würden dann auch die Brüder nicht mehr davon reden. Für ein Votum zugunsten einer Eingeständniserklärung fehlte eindeutig die Mehrheit.“

Schließlich las man im WT vom 15. 10. 1976, es sei nicht ratsam, sein Augenmerk auf ein bestimmtes Datum zu richten:

„Falls jemand enttäuscht worden ist, weil er nicht diese Einstellung hatte, sollte er sich jetzt bemühen, seine Ansicht zu ändern, und sollte erkennen, dass nicht das Wort Gottes versagt und ihn betrogen ... hat, sondern dass sein eigenes Verständnis auf falschen Voraussetzungen beruhte.“
(WT 15. 10. 1976)


In den Worten eines Mitarbeiters der leitenden Körperschaft spiegeln sich die Gefühle, von denen die enttäuschten und auch noch zurechtgewiesenen Zeugen Jehovas damals beherrscht wurden:
„Seit 39 Jahren bin ich getaufter Zeuge Jehovas, und ich werde mit Jehovas Hilfe auch weiterhin treu dienen. Ich wäre aber unehrlich, wollte ich behaupten, ich sei nicht enttäuscht. Denn wenn ich weiß, dass meine Gedanken über 1975 durch das hervorgerufen wurden, was ich in den Veröffentlichungen las, und mir dann letzten Endes gesagt wird, ich selbst hätte falsche Schlüsse gezogen, dann ist das meiner Ansicht nach weder anständig noch ehrlich. Wenn wir doch wissen, dass wir keine Unfehlbarkeit haben, dann ist es meines Erachtens nur angemessen, dass Fehler, die unvollkommene, doch gottesfürchtige Menschen gemacht haben, auch berichtigt werden.“

Erst im Jahr 1980 räumte die leitende Körperschaft, nun mit Frederick Franz als Präsident, in einer Stellungnahme wenigstens andeutungsweise ein, dass sie für den Irrtum mitverantwortlich war, allerdings gegen den Widerstand einiger Mitglieder, die sich absolut nicht entschuldigen wollten.

Dass die WTG bzw. die leitende Körperschaft ihre Schäfchen so im Regen stehen ließ, führte dazu, dass Tausende Zeugen Jehovas die Organisation verbittert verließen. Erstaunlicherweise hat sie sich auch von diesem Schlag erholt: Aus damals rund 2 Millionen wurden bis heute etwa 6 Millionen Anhänger.

Fragt man heute einen überzeugten älteren Zeugen Jehovas nach dem Jahr 1975, so ist die Antwort entweder beharrliches Schweigen, oder es wird alles abgestritten. Im Verdrängen und Ausblenden dessen, was nicht oder nicht mehr ins Bild passt, sind sie wirklich gut, die Zeugen Jehovas. Das hat ihnen ihre Leitung systematisch beigebracht. Viele junge Zeugen Jehovas haben keine Ahnung davon, dass 1975 einmal ein ganz heißes Datum war.

An der Tatsache, dass die Menschheit erst seit 6000 Jahren die Erde bevölkert, halten die Zeugen Jehovas noch heute fest. Argumente dagegen, wie etwa, die Höhlenmalereien in Frankreich und die Felsgravuren in der Sahara, oder die Funde menschlicher Skelette seien doch viel älter, auch Hinweise auf die Evolutionslehre, können einen Zeugen Jehovas keinesfalls erschüttern. Man wird dann belehrt, dass Wissenschaftler sich schon immer geirrt hätten, dass Darwin ja magenkrank gewesen und seine Evolutionstheorie somit unglaubwürdig sei, und wer könne denn schon beweisen, dass irgendein Knochenfund menschlicher Natur sei.

Und das Jahr 1914 spukt weiter in den Köpfen der Zeugen Jehovas herum: Sie brauchen dieses Datum, um ihre „gute Botschaft vom 1914 im Himmel aufgerichteten Königreich“ zu untermauern. Dabei wissen sie längst, dass sie beim Ausrechnen von 1914 von einem falschen Jahr ausgingen (sie legten 607 v.Chr. als das Jahr der Zerstörung Jerusalems zugrunde; Jerusalem wurde aber 587 v.Chr. zerstört).

„Die Generation von 1914“ tauchte Jahrzehnte lang in jedem EW auf:

„Vor allem aber stärkt diese Zeitschrift das Vertrauen zum Schöpfer, der verheißen hat, noch zu Lebzeiten der Generation, die die Ereignisse des Jahres 1914 erlebt hat, eine neue Welt zu schaffen, in der Frieden und Sicherheit herrschen werden.“
(EW bis zum 23. 10. 1995)


Nun heißt es auch im 90. Psalm, dass unser Leben 70 oder 80 Jahre währt. Durch die Verbindung dieses Bibelwortes mit der „Generation von 1914“ rückte die Zeit um das Jahr 1994 in den Blickpunkt, ohne dass dies direkt ausgesprochen wurde:

„Der Countdown, der jetzt fast sechs Jahrtausende läuft, nähert sich der Stunde Null. Sie ist so nahe, dass eine Anzahl Personen, die 1914 am Leben waren und jetzt schon vorgerückten Alters sind, nicht sterben werden, bevor sich die begeisternden Ereignisse, die die Rechtfertigung der Souveränität Jehovas kennzeichnen, ereignet haben.“
(„Überleben und dann eine neue Erde“, 1984)


...“fast 6 Jahrtausende“? Soll man daraus schließen, dass die Erschaffung Evas doch länger dauerte? Oder wurde die „Stunde Null“, einem bewährten Muster folgend, einfach von 1975 um so viele Jahre hinausgeschoben?

Im nächsten EW vom 8. 11. 1995 steht an der gewohnten Stelle:

„Vor allem aber stärkt diese Zeitschrift das Vertrauen in die vom Schöpfer verheißene neue Welt, in der Frieden und Sicherheit herrschen werden und die binnen kurzem das gegenwärtige böse und gesetzlose System der Dinge ablösen wird.“
(EW ab 8. 11. 1995)


Und im WT vom 1. 11. 1995 lesen wir:

„Aus dem sehnlichen Wunsch heraus, das Ende des gegenwärtigen bösen Systems zu erleben, hat Jehovas Volk manchmal Vermutungen angestellt, wann die ‚große Drangsal’ beginnen wird, und dies sogar mit Berechnungen über die Länge der Lebensspanne der Generation seit 1914 verbunden. Doch wir wollen ‚ein Herz der Weisheit’ einbringen, nicht dadurch, dass wir spekulieren, wie viele Jahre oder Tage eine Generation dauert, sondern dadurch, dass wir uns Gedanken machen, wie wir ‚unsere Tage zählen’, das heißt Jehova freudig lobpreisen.“
(WT 1. 11. 1995)


Wieder einmal hat sich „Jehovas Volk“ geirrt, und die Leitung, seit 1992 mit Milton Henschel als Präsident, bringt großmütig „ein Herz der Weisheit“ ein.

Übrigens steht in Matth. 24 gar nicht „Generation“, sondern „Geschlecht“. Und damit erweist sich „die Generation von 1914“ ohnehin als Seifenblase.

Im WT vom 15. 12. 2003 steht ein Artikel: „Wachsamkeit – immer dringlicher“. Darin vergleicht die WTG - wie schon mehrmals zuvor - die Zeit „der Tage Noahs“ mit der Zeit seit 1914:
„In den Tagen Noahs erklärte Jehova: ‚Mein Geist soll nicht auf unabsehbare Zeit dem Menschen gegenüber walten, da er ja Fleisch ist. Somit sollen sich seine Tage auf hundertzwanzig Jahre belaufen’ (1. Mose 6,3)... Nur noch 120 Jahre, und Jehova würde die Sintflut...über die Erde bringen... Wie steht es mit uns? Seit 1914 die letzten Tage des gegenwärtigen Systems der Dinge begannen, sind jetzt schon fast 90 Jahre vergangen. Wir leben unbestritten in der Zeit des Endes...“

Und in der 2005 herausgekommenen Schrift „Täglich in den Schriften forschen“ finden wir als Tagestext für den 11. Juni:
Nur noch 120 Jahre, und Jehova würde ‚die Sintflut der Wasser über die Erde bringen, um alles Fleisch, in dem die Lebenskraft wirksam ist, unter den Himmeln zu verderben’ (1. Mose 6,17). Als Noah von der kommenden Flut unterrichtet wurde, nutzte er die Zeit weise, um sich auf das Überleben vorzubereiten. Der Apostel Paulus schrieb: ‚Durch Glauben bekundete Noah Gottesfurcht, nachdem er eine göttliche Warnung vor Dingen erhalten hatte, die noch nicht zu sehen waren, und errichtete eine Arche zur Rettung seiner Hausgemeinschaft’ (Heb.11,7). Wie steht es mit uns? Seit 1914 die letzten Tage des gegenwärtigen Systems der Dinge begannen, sind jetzt schon fast 90 Jahre vergangen. Wir leben unbestreitbar in der ‚Zeit des Endes’ (Dan. 12, 4). Wie sollten wir auf Warnungen reagieren, die wir erhalten haben? ‚Wer...den Willen Gottes tut, bleibt immerdar’, heißt es in der Bibel (1.Joh. 2,17). Deshalb ist es jetzt höchste Zeit, den Willen Jehovas in dem deutlichen Bewusstsein zu tun, dass die Zeit drängt.“

Pädagogischer Trick dabei: Einprägen durch Wiederholen!

1914+ 90=2004
1914+120=2034

Apocalypse 2034? Dies steht zumindest im Raum.
Auch wenn das Datum überhaupt nicht ausgesprochen oder von der Leitung vorgegeben wird, übt dieser neue Endzeitimpuls doch eine aktivierende Wirkung auf die gläubigen Zeugen Jehovas aus. Solch e in Impuls ist nebenbei auch schon deshalb wichtig, um von den Problemen innerhalb der Organisation abzulenken und Kritik erst gar nicht entstehen zu lassen.

Es fällt auf, dass trotz aller Fehlschläge manche Sekten bzw. Kulte (es sind ja nicht nur die Zeugen Jehovas) scheinbar nicht ohne diesen Endzeitdruck auskommen. Er wird immer wieder aufgefrischt, und es werden immer wieder neue Termine ins Auge gefasst. Und, was erstaunlich ist: Es funktioniert. Die Zeugen Jehovas z.B. sind inzwischen weltweit auf etwa 6 Millionen angewachsen.

Wir haben uns mit drei gezielten Fragen an den namhaftesten Ausstiegsberater Deutschlands gewandt, an den Diplom-Psychologen Dieter Rohmann in München. Unsere Selbsthilfegruppe Ausstieg e.V. arbeitet seit einigen Jahren eng mit ihm zusammen.
Seine Antworten auf diese 3 Fragen waren so überzeugend und nachvollziehbar, dass wir sie hier, mit seiner Erlaubnis, wörtlich wiedergeben möchten.

Frage 1: Warum ist so ein Endzeitdruck unumgänglich und wird immer wieder aufgefrischt, auch wenn er jedes Mal fehlschlägt?

„Kultmitglieder sind generell sehr defizitorientiert, was das Leben in der „Welt“ angeht. Sie haben durch selektive Wahrnehmung gelernt, nur auf das zu achten, was NICHT funktioniert. Naturkatastrophen, Kriege, Unfälle etc. werden als Bestätigung des eigenen Glaubens verstanden. Würde die Welt und die Menschen in ihr als positiv, gut, als Chance und Herausforderung gesehen und empfunden werden, gäbe es keine Kulte! Ein Kult und dessen Mitglieder können nur so lange aktiv sein, wie es ihnen gelingt, die Welt und die Menschen in ihr als schlecht, verdorben, böse etc. zu definieren.
Das Ganze gipfelt dann in der Finalvision, dass die Welt untergehen und etwas Neues, Besseres entstehen wird. Und beteiligt an diesem Neuen, Besseren sind dann eben die jeweiligen Kultmitglieder. Kultmitglieder heben sich durch ein solches Denken aus der grauen Masse ab und haben das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, zu tun und zu empfinden. Eine Elite, die sich im Besitz der einzigen Wahrheit glaubt.“

Frage 2: Warum brauchen Kultmitglieder diesen Endzeitdruck?

„Weil die Welt und ihr eigenes Dasein dadurch verstehbarer und lebbarer wird. Kulte haben nur monokausale Erklärungen für alles im Diesseits und im Jenseits. In unserer Welt herrschen multikausale Erklärungen vor. Das ist für viele Menschen nun einmal anstrengend, undurchschaubar und unbefriedigend.
Viele Menschen haben Mühe damit, dass ihr Leben eines Tages einfach zu Ende geht. Und diese Endlichkeit des menschlichen Daseins wird durch eine Kultmitgliedschaft aufgelöst. Man hat nun das Gefühl, an einem großen Plan beteiligt zu sein und selbst im Jenseits noch eine wichtige Rolle zu spielen. Das wertet ungemein auf!“

Frage 3: Warum begreifen die Zeugen Jehovas nicht endlich, dass sie immer wieder zu Opfern der gleichen Tricks werden?

„Weil sie nur monokausale Erklärungen zulassen, die von einer gewissen Autorität (Kultleitung) definiert werden. Und weil sie schon so viel Zeit im Kult mit der Endzeitvision investiert haben. Da fällt es schwer, sich zu distanzieren und dem Ganzen einfach den Rücken zuzukehren.
Der/die Führer eines Kultes als höchste irdische Autorität sind ja Schöpfer der Wahrheit, Erhalter derselben und können deshalb auch nach Belieben die Wahrheit verändern. So eben auch ein neues Endzeitdatum bekannt geben.
Voraussetzung für all das ist natürlich, dass man bereit ist, anderen mehr zu glauben und zu vertrauen als sich selbst.“

  Das zweite Buch
von Ray Franz

coverChristlicheFreiheitA_small

Buch bestellen




umschlag_jonsson

 
Links zu anderen Seiten:


>> Kids e.V.

>> Silentlambs

>> AJWRB - Blood Reform
>> AJWRB - Blutreformer

>> Sekten-Info Essen e.V.

>> Psychologische Beratung

>> Artikel 4

>> Odenwälder Wohnhof

>> SINUS Sekteninformation und Selbsthilfe

>> Bruderdienst

>> Netzwerk Sektenausstieg

>> EBIS e.V. / Krokodil

>> Aktion für Geistige und Psychische Freiheit